Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich mein Anliegen klar oder völlig wirr formuliere. Aber je größer ein Projekt wird, desto weniger lässt sich alles in einen einzigen Prompt pressen.
Ein Prompt ist eine Arbeitsanweisung – kein Projektgedächtnis
Bei einem kleinen Problem kann ein guter Prompt reichen. Bei einem Projekt wie LSD Worringen oder PODC existieren dagegen technische Entscheidungen, ältere Fehlversuche, bestätigte Quellstände, Datenwege, Sicherheitsregeln und bewusst verworfene Varianten.
Wenn dieser Kontext fehlt, kann eine KI eine Lösung liefern, die für sich betrachtet plausibel ist – aber am Projekt vorbeigeht.
Was ich stattdessen wichtig finde
Nicht nur „mach die Seite besser“, sondern beschreiben, was konkret anders funktionieren soll.
Welche Dateien, Systeme, Datenquellen und bisherigen Entscheidungen sind relevant?
Zum Beispiel: kein CMS, Excel bleibt fachliche Wahrheit, bestehende Schnittstelle nicht verändern.
Aktuelle Projektdokumentation und bestätigter Quellstand schlagen alte Chats oder Vermutungen.
Eine gute Lösung darf in mehreren Schritten entstehen. Das ist kein Versagen des Prompts, sondern normale Projektarbeit.
Auch der beste Prompt kann keinen echten Browser, Webserver oder Datensatz simulieren, wenn genau dort der Sonderfall steckt.
Projektanweisungen sind dafür praktisch
Bei länger laufenden Arbeiten kann ich Regeln hinterlegen, die für das gesamte Projekt gelten: nicht raten, bei aktuellen Themen Quellen prüfen, Unsicherheit kennzeichnen, konkrete Projektdokumentation bevorzugen, sensible Daten schützen und Code nachvollziehbar erklären.
Das spart Wiederholungen und sorgt für einen gleichmäßigeren Arbeitsstil. Es ist aber kein Wahrheitsfilter. Eine falsche Annahme bleibt falsch, auch wenn sie sehr höflich und projekttreu formuliert wurde.
Ein Beispiel: LSD Worringen
Die Vorgabe „baue eine moderne Vereinswebsite“ wäre viel zu wenig gewesen. Wichtig war unter anderem: Die kompromittierte alte Technik darf nicht übernommen werden. Inhalte dürfen übernommen werden. Die neue Seite soll statisch, einfach und wartungsarm sein. Live-Daten kommen aus 3K. Mobile Darstellung muss praktisch getestet werden.
Erst dieser Kontext macht aus einer allgemeinen Webaufgabe das konkrete Projekt.
Ein Beispiel: PODC
Auch hier wäre „mach aus Excel eine Website“ gefährlich ungenau. Die entscheidende fachliche Regel lautet: Excel und Power Query rechnen, die Website präsentiert. Wer diese Grenze nicht kennt, könnte eine technisch beeindruckende, aber fachlich falsche zweite Berechnungslogik ins Web bauen.
Meine einfache Prompt-Schablone
Ziel: Was soll am Ende funktionieren?
Ausgangslage: Was existiert bereits?
Wichtige Regeln: Was darf sich nicht ändern?
Quellen: Welche Dateien oder Dokumentationen sind maßgeblich?
Gewünschtes Ergebnis: Erklärung, Vorschlag, Code oder fertige Datei?
Prüfung: Woran erkennen wir, dass es wirklich funktioniert?
Das ist kein magischer Prompt. Genau deshalb ist er für mich brauchbar.
Die eigentliche Kunst ist der Dialog
Manchmal merke ich erst an einer Rückfrage, dass meine eigene Anforderung noch nicht sauber genug war. Manchmal zeigt ein Test, dass eine Annahme falsch war. Manchmal findet die KI eine bessere Variante als die, mit der ich gestartet bin.
Dann wird aus „Prompt schreiben“ echte Zusammenarbeit: erklären, verstehen, ausprobieren, korrigieren und dokumentieren.
Mehr dazu: Wie ich KI tatsächlich für Projekte nutze und ChatGPT war sich sicher – und trotzdem falsch.